Professionell prüfen

Der Autoschlüssel als Kratzwerkzeug für die Untergrundprüfung hat ausgedient. Moderne Prüfwerkzeuge und -materialien zusammengefasst in einem Koffer übernehmen zuverlässig die Diagnose an der Fassade.
Die Entscheidung über den Beschichtungsaufbau an der Fassade ist ausschlaggebend für das Ergebnis. Die Basis dafür liefert die gründliche Untergrundprüfung. Nachlässigkeiten sollte man vermeiden, sonst kann es im Zweifelsfall für den Malerbetrieb teuer werden.

Die verschiedenen Prüfmethoden hat jeder auf der Meisterschule erlernt, aber Hand aufs Herz: Was ist davon in der Praxis übrig geblieben? Ein Auffrischen des Wissens kann also nicht schaden und moderne Hilfsmittel sind willkommen.

Dietmar Ahle ist Malermeister und vereidigter Sachverständiger in Paderborn. Aus seiner Sicht ist die Untergrundprüfung an der Fassade unerlässlich, um Fehler bei einer neuen Beschichtung zu vermeiden. Egal, ob Putz oder Holz, mit oder ohne Altanstrich. Er kennt aber auch Kollegen, für die der Autoschlüssel lange Zeit das einzige (Kratz-) Werkzeug zur Untergrundprüfung war. Doch das ist längst Vergangenheit, denn heute ist Professionalität gefragt. "Wenn es nämlich zu Schäden kommt und die Gewährleistung greift, kann das je nach Objekt sehr teuer werden. Nur wenn der Verarbeiter in der Vorbereitung und in der Ausführung professionell arbeitet, hat man im Zweifelsfall die Unterstützung des Herstellers.

"Positiv aufgefallen ist Dietmar Ahle der Fassaden-Prüfkoffer eines Bochumer Farben- und Lackherstellers. "Der Koffer überzeugt vor allem wegen des modularen Aufbaus mit zwei oder drei Systainern. Dann kann man je nach Bedarf auch nur mit einem Systainer arbeiten.

Als Sachverständiger habe ich mir schon vor Jahren einen Diagnosekoffer nach einem ähnlichen System aufgebaut." Besonders schätzt der Paderborner Malermeister den 24-seitigen Ratgeber zur Untergrundprüfung mit exakten Prüfmethoden und Einordung der gängigen Messergebnisse sowie den ausführlichen Diagnosebogen zur Bestandsaufnahme am Objekt.

Sein Rat: "Ich empfehle dringend, eine Bestandsaufnahme nach dem Analysebogen durchzuführen. Dann kann man nichts vergessen." Ein zusätzlicher Vorteil des Analysebogens: Es ist ein Durchschreibsatz von dem der Kunde gleich eine Kopie bekommt.

Das schafft Vertrauen.

Der Prüfkoffer ist modular aufgebaut. Das wird möglich durch die Systainer. Diese Werkzeugkisten aus stabilen Kunststoff lassen sich einfach miteinander verbinden. So verwandeln sich zwei oder drei Kästen im Handumdrehen in einen kompakten Koffer. Die einzelnen Systainer sind durch entsprechend geschnittene Schaumstoffeinlagen führ ihren späteren Inhalt vorbereitet.

Der Prüfkoffer ist in der Basisversion mit Profi-Werkzeugen und der notwendigen Labortechnik ausgestattet. Optional kann ein Material- und Feuchtmessgerät ergänzt werden.

Weil das Systainer-Konzept flexibel ist, kann weiter angebaut werden. Wer möchte, kann in einem dritten aufsetzbaren Systainer Profimessgeräte, Infrarot-Entfernungsmesser oder andere elektronische Geräte mitführen.

Der Prüfkoffer selbst enthält alle wichtigen Utensilien, die für eine professionelle Fassadenuntergrundprüfung erforderlich sind. Im unteren Systainer sind die Werkzeuge untergebracht. So zum Beispiel spezielle Cutermesser, DIN-gerechtes Klebe- und Abrissband zur Gitterschnittprüfung für Lack- und Dispersionsbeschichtungen sowie eine Lupe und Rissmaß. Die Bindemittelbestimmung an der Fassade wird mittels einer sicheren Brennprobe mit dem ebenfalls beiliegenden Gasbrenner durchgeführt. Im oberen Systainer liegt die Laborausstattung. Säuren in unterschiedlicher Konzentration dienen der chemischen Untersuchung. Sie sind in verschlussicheren Laborgläsern mit festem Halt abgefüllt, damit nichts umkippen oder auslaufen kann. Weitere Bestandteile der laborgerechten Ausstattung sind Indikatorpapier, destiliertes Wasser zur Messung des pH-Wertes, Pipetten zur Benetzung und Dosierung sowie eine Petrischale.

Es gibt sicher Kollegen, die sich scheuen würden, mit einem Prüfkoffer am Objekt zu erscheinen. Es hat sich aber gezeigt, dass ein situationsgerechter Einsatz dieses Instrumentes überall akzeptiert wird.

Situationsgerecht meint, dass es einen konkreten Grund geben muss, etwas genauer zu überprüfen. Dann ist professionelles Arbeiten gefragt und das begrüßen auch die Kunden.

Malerblatt | Oktober 2008 www.malerblatt.de zurück